Freitag, 2. September 2011

Logbucheintrag 90

29. August 2011

ein paar Zeilen aus meinem Buch

…..also startete ich allein von Hamburg aus über den Atlantik. Allein diese kleine Geschichte ist besser, als der gesamte Geschichte des Vollidioten!

Wäre ich nur öfters geflogen, aber so blieb mir nur, wer lesen kann ist immer im Vorteil. Von der ersten Sekunde an hatten sich die Fluggötter, und es gibt wirklich welche, etwas dagegen, dass ich wirklich fliegen sollte. Wer mich kennt, der weiß, dass ich in dieser Zeit kaum einen Weg zu Fuß gemacht habe, die längste Strecke war vielleicht 150 m. Ich fuhr z. B. auch voll angeschnallt durch die Waschanlage...Vor allem hasste ich aber diese Miles and More Arschlöcher, mit ihren Laptoptaschen und ihren Handelsblättern unter dem Arm. Immer bereit für eine tolle Fliegergeschichte. Noch schlimmer waren aber diese Cafe- Latte - Becher - in - der - Hand - Typen mit dem Handy am Ohr.. Ich habe da so meine eigenen Theorien,, aber dies würde hier zu weit führen. Aber diesen Typen - vor allem den Frauen….. kann geholfen werden … ich sage nur Drehtüren!

In Hamburg sollte der Start von Nr. 34 abgehen, na ja, dachte ich, Terminal 1 nach London, ja und. Das diese Nummer 34, oder wie auch immer, von meinem Ausgangspunkt mehr als gefühlte 1,5 km (!) entfernt waren, dies hätte mir diese ausgemergelte Boulimie - Froschfresse am Check-in auch sagen können. Ich hasste sie dafür, nachträglich. Meine Listen von Leuten, mit denen ich noch einmal -MENSCH ÄRGER DICH NICHT- spielen wollte, wurde immer länger.

Es gab halt Menschen in meinem Leben, die es darauf abgesehen hatten, allein durch ihr Dasein oder durch ihre Erscheinung, mich zu ärgern.

Auf dieser Liste stehen ganz oben bestimmte Versicherungsvertreter der Aachen Münchner Versicherungsgruppe, Herr Schröder aus….., der Bahnbegleiter auf der Fahrt München … Hamburg…, bis heute stehen auf dieser List nur noch 2 Leute …. Damals waren es 1708.

2 Minuten vor dem Abflug kam ich vollkommen fix und fertig, in Schweiß ertränkt, im Vorraum an, irgendjemand drückte mir zudem noch ein Brötchen und einen Apfel in die Hand und nuschelte in einem Hamburger Slang: "Bitte beeilen sie sich!" Allein für das folgende grinsen hätte diese Märchenfee in blau, die Höchststrafe verdient: Degen oder Pistole. Nein, in diesem Fall musste der innere Finger reichen. Auch auf die Liste….

Voller Unbehagen nahm ich auf meinem Sitz(?) platzt. Flogen nur Kinder damit oder wo sollten die etwas stattlicheren Leute sitzen? Während die Stewardess, eine Rothaarige mit unsagbar vielen sich überlagernden Sommersprossen, sich immer noch einen Wolf über die Sicherheitsbestimmungen redete, war ich in meinen Überlegung nur damit beschäftigt, wie ich den Flug bloß überstehen sollte. Eingepfercht wie in eine Sardinendose, mit Gurtverlängerung, ohne Chance auch nur das Klappbrett herunter zu klappen oder den Körper zu verlagern, startete der Flieger. Als wir unsere Flughöhe, was auch immer dies bedeutete, erreicht hatten, war alles in mir abgestorben.

Daran hätte auch die Sommersprosse mit ihren Fertigkeiten die Schwimmweste aufzublasen, nichts mehr daran ändern können. Wenn mich nicht die innere Unruhe, meinen Anschlussflug zu bekommen, gesteuert hätte, wären alle meine abgestorben Körperteile voll begurtet und mit der Gewissheit, wenn wir hätten notlanden müssen, ich ertrunken wäre , aber nicht weil ich alle Sicherheitsinformationen missachtet hätte, sondern weil ich nicht aus meinem Sitz gekommen wäre!!!! Danke Lufthansa! Warum schimpfte man immer nur auf die Telekom…..????

Mit vollkommen tauben Gliedern wankte ich in Heathrow durch die erste Abfertigung. Crashtestdummie….. das passte! Derjenige der schon einmal dort war kann mir jetzt folgen, Derjenige dem dieses Erlebnis noch nicht vergönnt war, stelle sich ein Labyrinth von Gängen, Treppen und Hallen vor, in denen sich hunderte, nein tausende von Menschen aus allen Nationen dieser Erde tummeln, und ich meine wirklich alle Nationen. Ein derartiges Stimmenwirrwarr und diese Ansammlungen von Farben und den Multikulti Düften, hatte ich noch nie gesehen bzw. erlebt. Ja, wer eine Reise macht..

Die ersten Gänge, Fahr- und Rolltreppen schaffte ich noch ohne Probleme, aber nachdem ich nach gut einer Stunde nach der Landung die Einreiseformalitäten hinter mir hatte, war der Rest meiner Klamotten auch noch durchgeschwitzt. Ich musste mit meinem Rucksack, dem puderroten Kopf und den nassen, durchgeschwitzten Klamotten ausgesehen haben, wie ein Stier kurz vor dem finalen Stich.

Plötzlich versperrte mir eine Gruppe Araberinnen , jede vermummt mit einer Bourka, den Weg, sie waren dabei sich gegenseitig zu fotografieren(!), als mich wahrnahmen, hatte ich das Gefühl, Ihnen sei etwas erschienen.

Als ich weiterging, bildeten sie eine Gasse, ich hörte einige Wortfetzen, beteten sie (?), oder wollten sie sich nur schützen, der Teufel roch nach Schweiß, wahre Schönheit kommt von innen, nur gut das sie vermummt waren, … also nicht auf die Liste..Die Nachmittagsmaschine sollte um 17:00 Uhr Londoner Zeit – abfliegen. Ich hatte 3 Stunden und 40 Minuten Zeit zum Flug nach Miami zu gelangen.

Ein Stimmenwirrwarr von unbekanntem Ausmaß schlug mir entgegen, sich ständig verändernd, ansteigend und sich wieder brechend, als ich die riesige Wartehalle 1 erreichte. Mein Rücken war nur noch eine einzige Schmerzbahn.

Menschen aus allen Herren Länder. Schotten in Landestracht, Inderinnen im farbenprächtigen Sari, Fans mit den typischen Fußballfahnen, sogar Techniker aus dem Ferrari - F1- Team liefen an mir vorbei. In den unzähligen Shopping - Centern kauften die Leute ihre Andenken und zollfreie Artikel, um dann schnell wieder in der Menschenmasse unterzutauchen. Ich hatte bereits im Laufe meines Lebens Einiges erlebt, aber dies hier war mit nichts von dem Erlebten zu vergleichen. Jede Minute wechselte die Szenerie, ohne dass man mitbekam, wo die anderen Menschen verblieben, irgendwie wurden sie einfach von der Menge verschluckt.

Für mich war jedoch nur die riesige Anzeigentafel an der Decke von Interesse. Ständig erschienen neue Flugdaten - da war sie - meine Maschine nach Miami - Florida. Wobei mir erst viel später bewusste wurde, dass alle Flugdaten von Wichtigkeit waren - ich hatte nur Miami gelesen, nicht die Uhrzeit, nur: Abflug Gate 19 – IV.

Vollkommen fix und fertig, meinen Ausdünstungen erlegen und absolut vom Schmerz in meinem Rücken genervt, überwältigt von der gigantischen Halle und der sich ständig bewegenden Menschenmasse, war ich felsenfest der Meinung - es fliegt nur eine Maschine am Nachmittag nach Miami.

Aber irgendwie hatte ich alle wichtigen Registrierungswahrnehmungen zu diesem Zeitpunkt in mir abgeschaltet. 40 Minuten später und etwa 4,6 km (!) weiter stand ich vor dem Gate 19 hinter (!) ca. 400 anderen Passagieren, in der Wartereihe. Ich dachte nur eins, ins Flugzeug, schlafen und bis Miami nicht mehr bewegen.

Plötzlich stand ein kleiner Inder im Flugdress mit einem Riesenschnautzer vor mir und ich streckte ihm mein Flugticket entgegen. “Sir, this is not your flight to Miami”- “Your plane is coming next, on Gate 37!!!!!!” - “ Sir, do you understand”. “Oh, yes, it is my mistake!”

Das Gate 37 war am anderen Ende des zweiten Abflughangars. Etwa 7 km vom meinem jetzigen Standort entfernt. Das Beste daran war jedoch, dass man das Ziel sehen konnte .Das die Gates strahlenförmig angelegt waren, lag das Gate 37 genau gegenüber. Man musste jedoch zurück bis in die Haupthalle.

Scheiße …Miami ade. Nun wusste ich - was gemeint war - als mein Freund wenige Tage vor dem Abflug im meinem Büro sagte . Kennst Du das Geheimnis von Heathrow - nein - Du wirst es kennenlernen.

Wie sollte ich in knapp 55 Minuten zum Gate 37 gelangen? Das war`s - keine Karibikkreuzfahrt – meine Maus in Amerika und ich schaffe es noch nicht einmal aus London rauszukommen.

Warum war ich nicht mir ihr mitgeflogen. Ich musste es schaffen! Koste was es wolle. Alles rauschte mir durch den Kopf, ich falle um, lass mich tragen oder nehme einen Wagen mit Blaulicht und mache auf vollbehindert oder sollte ich eine Verletzung vortäuschen, das schaffte ich nie ohne Hilfe, vielleicht hatte ich eine Chance von den zahlreichen Hilfsfahrzeugen für den Rettungsdienst oder für Behinderte mitgenommen zu werden. So wie ich jetzt aussah, würde das glatt durchgehen. Die Chancen standen gut, doch der Lächerlichkeit wollte ich mich nicht preisgeben. Doch der Weg zu Gate 37 … in der mir verbleibenden Zeit… schier unmöglich.

Jetzt lief mein Betriebssystem auf Hochtouren, mir war alles egal- auf meiner roten Stirn stand nur noch ein Wort: Miami. Wieder an allen vorbei…eleganten Russen, gedrungenen Chinesen, stolzen, großen Asiatinnen , Wirtschaftsbossen und laut gestikulierenden Italienern. Nach etwa 2 km Rückmarsch gelangte ich an einen Verbindungsgang - mit der Aufschrift: Nur für Personal.

Das war meine Chance - aber nach nur wenigen Metern hörte ich hinter mir einen scharfen Pfiff. Eine dicke Frau in Uniform kam auf mich zu. “Sir, for personal only!” Ich versuchte sie mit meinem ganzen Charme davon zu überzeugen, dass mein Leben davon abhing - dass ich unbedingt diesen Gang benutzen musste. Irgendwie konnte sie auch das Wort - Miami auf meiner Stirn lesen

Sie sprach kurze Zeit später in ihr Funkgerät- eine Art Zahlen- und Buchstabenkot. Ich dachte schon - das war`s - jetzt holt sie Verstärkung und lässt mich verhaften. Doch Sie nahm mich an die „Hand“ und führt mich zielsicher durch eine Stahltür mit der Aufschrift – H - tour 5 – Lift. Hatte sie Mitleid, mit meinem jämmerlichen Aussehen? Hinter dieser Tür befand sich ein Fahrstuhl, sie drückte einen Knopf – sagte, “good bye“ - und ich fuhr zwei Stockwerke nach oben. Vor der Tür wartete bereits ein 2 m großer farbiger Sicherheitsbeamter. Hatten sie doch mich als Sicherheitsrisiko eingeschätzt oder war ich in guten Händen? “Hallo, Sir, can I help you?” “ Gate 37, please! - God save the queen” - der Mann sah in mein verschwitztes Gesicht und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Crazy German….

Nach einer viertel Stunde treppauf treppab und vielen verwinkelten Gängen und kleinen Lagerhallen kamen wir zu einer Passkontrolle - “Good bye, Sir, 800 m on the left side - have a good time in the USA”. Ich wollte mich richtig bedanken, doch bevor ich mich umgedreht hatte, war dieser massige Körper bereits hinter den Warteschlangen verschwunden. Noch 17 Minuten - war das zu schaffen?

Ich musste noch einmal durch die Einwanderungskontrolle zusammen mit ca. 300 Skandinaviern. Habt endlich Mitleid und lasst mich nach Amerika fliegen!

Irgendwie wirkte dies bereits vertraut - Hallo - ich war noch einmal angekommen - nochmal alles raus, Schlüssel, Geld, Handy..Gate 33 - noch 8 Minuten - noch 800 Meter. Mittlerweile fühlte ich mich so unbehaglich, es gab kaum noch eine trockene Stellen an meinem Oberkörper, von meinen Schmerzen im Rücken ganz zu schweigen.

Schon von Weitem vernahm ich eine merkwürdige Formation von fremdartig anmutenden Menschen. Menschen in langen schwarzen Gewändern und weißen Hosen und mit dem Gesicht zur Wand gekehrt , die Hände vor dem Gesicht - abgeschirmt durch eine undurchdringliche Formation von Männern im dunklen Anzügen. Juden - betende, orthodoxe Juden - kurz vor ihrem Abflug - aber wer waren diese anderen Männer. Ich musste kurz stehen bleiben, doch ich wurde unsanft und unmissverständlich gebeten weiter zu gehen. “Gehen Sie doch weiter hier gibt es nichts zu sehen “, klang es in akzentfreien deutsch(!)

Noch 30 Sekunden…..

Da war es, das Gate 37, ich hatte nicht mehr daran geglaubt - in 3er Reihen wurden alle Passagiere erneut durchsucht, alle mussten die Schuhe und Gürtel ausziehen, alle gefährlich wirkenden Gegenstände aus Metall oder Flaschen mit Flüssigkeit wurden aussortiert und einbehalten. Mir war alles egal - ich hatte es geschafft - die richtige Maschine - nur noch den Flug überleben - und dann Urlaub mit meiner Maus. Und der Hammer war, dass dieser kleine Inder mit Riesenschautzer mich durch gewunken hatte, ohne Schuhe und anderem bla, bla hatte er mich passieren lassen. Ich sah zwar Scheiße aus, aber dieser Inder……, er war einer der wenigen Guten genau wie die dicke Frau und dieser Schrank von Sicherheitsbeamten. Das Leben ist doch fair… es gibt einen Gott…...

Und was ich kaum noch für möglich gehalten hatte, ich saß 10 Minuten später in einem halbwegs bequemen Sitz auf dem Weg nach Miami, zwar in einer Gesellschaft einer illusteren Engländern aus Essex, die kollektiv ½ Stunde nachdem wir gestartet waren, betrunken waren. Witziger weise nannten sie es Blutspenden…Engländer… Liste!

9 Stunden später, vollkommen übermüdet, stinkend und vollkommen glücklich, kam ich nach weiter gefühlten 3000 m Fußmarsch in Amerika morgens um 3 am Einreiseschalter an. In diesem Urlaub sollte ich zum Marathonmann verkommen, verrückt. Aber besser als Viagra.

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